Das Fertigen von Oberflächenabdichtungen auf Mülldeponien ist kein leichtes Unterfangen: Wegen der steilen Hänge fertigt man zumeist in horizontaler Richtung um den Müllberg herum, während ein schwerer Bagger mit Windentechnik den Fertiger mit Seilen sichert.
Bei der Deponie im südwest deutschen Horb ging die Firma Kirchhoff einen anderen Weg: Das Unternehmen vertraute der Traktion des Raupenfertigers SUPER 1900 und baute in Bahnen von unten nach oben die Deponieasphalt-Dichtungsschichten DAD ein – ohne aufwendige und kostspielige Absicherung des Fertigers.
Ein SUPER 1900 der Firma KIRCHHOFF fertigt die Deponieasphalt-Dichtungsschicht.
In vielen Ländern sind Mülldeponien wesentlich komplexere Systeme, als von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die deutschen Umweltschutzgesetze beispielsweise verlangen, Deponien nach unten wie nach oben mit mehreren unterschiedlichen Dichtungsschichten zu versiegeln – anstatt einfach Gras darüber wachsen zu lassen. Versiegelungen dieser Art bewältigen der Wirtschaftlichkeit wegen in zunehmendem Maße Straßenfertiger. Der Einbau dieser einzelnen Schichten am Müllberg ist dabei eine Herausforderung, weil das Gelände extrem steil ist.
Konventionell sichert ein Bagger den Fertiger
Nicht so auf der Deponie in Horb-Rexingen: Die 33% Steigung bewältigte ein VÖGELE Straßenfertiger SUPER 1900 in Serienausführung mit der Einbaubohle AB 500 TP2 dank seiner enormen Zugkraft im Alleingang.
Steigung im Verhältnis 1:3 aus eigener Kraft bewältigt
VÖGELE Raupenfahrwerk: Genügend Traktion auch ohne Windentechnik.
Von unten nach oben baute der Fertiger an die Geländeform angepasste trapezförmige Dichtungsbahnen ein. Um die Funktionstüchtigkeit der Deponie zu gewährleisten und den Anforderungen an den Umweltschutz gerecht zu werden, müssen Deponieanlagen nach europäischem Standard eine ganze Litanei von Auflagen erfüllen. Besondere Bedeutung kommt der Funktionalität der einzelnen Dichtungsschichten zu. Die untere Isolierschicht dient als Basisabdichtung und hält den Untergrund frei von schädlichem Deponiesickerwasser. Die obere Isolierschicht versiegelt wie ein Deckel die Deponie nach deren Stilllegung. Diese Schichten sind aufgebaut aus Lehm, Mineralgemisch aus Recyclingmischgut, Schotter und einem Asphaltbelag aus DAD-Mischgut.
Asphalt-Recyclinggranulat als Mineralgemisch
Auf der stilllgelegten Deponie in Horb-Rexingen verarbeitete Kirchhoff für das Mineralgemisch Asphaltgranulat, ausgebaut von einer WIRTGEN Kaltfräse und unter Zugabe eines Bindemittels von einer WIRTGEN Kaltrecycling-Mischanlage KMA 200 aufbereitet. Ganze 40.000 t dieser bituminös gebundenen Tragschicht baute der SUPER 1900 im ersten Arbeitsgang ein. Die Beschickung des Fertigers erfolgte wie auch bei der oberen Dichtungsschicht mit Hilfe von besonders leichten Lkw mit Niederquerschnittsreifen.
12.000 t Deponieasphalt-Dichtung
Für die endgültige Versiegelung baute anschließend der SUPER 1900 zirka 12.000 t Deponieasphalt-Dichtung ein. Das Spezialmischgut verfügt über einen erhöhten Bitumenanteil von rund 7%. Die abschließende Verdichtung ließ sich in 5–6 Walzenübergängen bewältigen, weil der SUPER 1900 trotz der Steigung mit Hochverdichtungstechnologie arbeiten konnte und so den Belag perfekt vorverdichtete. Nach Fertigstellung wird das Areal renaturalisiert: Es soll ein Modellflugplatz darauf entstehen. Die perfekte Versiegelung sorgt jetzt dauerhaft dafür, dass neben den Fliegern nicht auch Gase durch die Lüfte schweben.
Deponie Horb-Rexingen, Deutschland
Größe der Baumaßnahme:
60.000 m²
Baustellendaten:
40.000 t bituminös gebundene Tragschicht BGT und 12.000 t Deponieasphalt-Dichtungsschicht DAD
Steigung:
33%
Arbeitsbreite:
Trapezförmige Bahnen mit unten 4,8 m und oben 2,8 m
Einbaudicke:
8 cm
Einbaugeschwindigkeit:
3 m/min
Tagesleistung:
300–350 t
Hochverdichtungskonfiguration:
Tamper: 1.600 U/min., 4 mm Hub
Pressleiste: 90 bar
Maschineneinsatz:
VÖGELE SUPER 1900 mit Einbaubohle AB 500 TP2, WIRTGEN Kaltrecycling-Mischanlage KMA 200