
Am
Anfang war der Widerspruch. Die Straßendecke muss dicht halten,
um von der Konstruktion darunter Wasser fernzuhalten. Das war nur
eine der Schwierigkeiten, die beim Einbau von offenporigem Beton
gelöst werden musste. Eine andere war der spezielle Haftkleber,
den Dränbeton benötigt und den der Fertiger beim Auftragen
nicht verdrängen darf. Hinzu kam, dass Dränbeton zwar
zu den leisesten Fahrbahnbelägen überhaupt zählt,
die bisher mögliche kurze Nutzungsdauer eine wirtschaftliche
Verarbeitung aber verhinderte.
Verbundprojekt Leiser Straßenverkehr
gegründet.
Diese Probleme technisch in den Griff zu bekommen,
war sehr aufwendig. Mitarbeiter von VÖGELE haben solange getestet
und entwickelt, bis sie ein effizientes Verfahren fanden. Als dominierende
Quelle für den Störschall ist das Reifen-Fahrbahn-Geräusch
bei PKW ab 40 km/h und bei LKW ab 70 km/h identifiziert. Deshalb initiierte
die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) gemeinsam mit
mehreren Unternehmen, darunter die JOSEPH VÖGELE AG, das Verbundprojekt
Leiser Straßenverkehr (Leistra). Ziel ist es, Lärm bereits
an seiner Entstehungsquelle einzudämmen: an der Schnittstelle
von Reifen und Straße. Das Projekt machte es sich zur Aufgabe,
bis zu drei dB (A) leisere Komponenten für den Straßenbau
zu konzipieren und zu erproben. Beim Belag experimentierte die BaSt
mit lärmminderndem Gussasphalt, Waschbeton, offenporigem Asphalt
und klassischem Beton. Die alternative Maßnahme zur Minimierung
von Straßenlärm kommt teuer: in Deutschland bestehen bereits
2.800 km Lärmschutzwälle. Neue Straßen werden künftig
nur noch mit diesen kostenintensiven Bauwerken errichtet werden können.
„Den Straßenver-kehrslärm durch Wände und Wälle
zurück zu halten ist gut, ihn gar nicht oder in geringerem Umfang
entstehen zu lassen ist noch besser“, erläutert die Parlamentarische
Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Angelika Mertens,
das Interesse der Regierung an Leistra.
Auf
der Bundesstraße 56 bei Düren fertigte die F. Kirchhoff
Straßenbau GmbH & Co. KG mit einem VÖGELE SUPER 1800
(Bohlenbreite 7,5 m) eine Teststrecke, die aus verschiedenen Belägen
besteht. Dort nehmen inzwischen Sensoren Geräuschemissions-Messungen
vor.
Fertiger auf leisen Bohlen.
„Erste Forschungsergebnisse belegen, dass eine deutliche Lärmminderung
des Gesamtsystems Reifen-Fahrbahn mit heute verfügbaren technischen
Kom-ponenten erreichbar ist“, sagt Dr. Peter Reichelt, Projektleiter
von der Bundesanstalt für Straßenwesen.
Was Wirtschaftlichkeit und Lärmminderungs-Wirkung
betrifft, ist Dränbeton das vielversprechendste Material. Eine
technische Lösung für die Verarbeitung zu finden war aber
sehr aufwendig: VÖGELE musste viele Versuchsreihen auf dem
eigenen Testgelände in Mannheim fahren, bevor die Fertiger
Dränbeton erstmals auf öffentlichen Straßen einbauen
konnten.
Anfangs bereitete
die spezielle Haftbrücke zum Dränbeton Probleme. Diesen
muss der Fertiger in einem Arbeitsschritt mit dem Dränbeton
auftragen. Die JOSEPH VÖGELE AG modifizierte dazu einen
Standardfertiger mit Kettenfahrwerk.
Die Ingenieure rüsteten die grüngelbe Maschine zusätzlich
mit einem Tank inklusive einem Rührwerk für den Haftkleber
aus. Der Tank kann während des Arbeitsvorgangs seitlich nachgefüllt
werden. So lassen sich Arbeitsunter-brechungen vermeiden, die zu
unerwünschten Übergängen führen. Damit der Haftklebefilm
nicht durch das Kettenfahrwerk des Fertigers bei der Überfahrt
zerstört wird, ersetzte man die einzelnen Raupenplatten durch
eine Spikes-Konstruktion.
Das Ergebnis kann
sich hören lassen.
Die Hochverdichtungsbohle SB 250 TVP2 ist für den Betoneinbau
prädestiniert: Stampfer, Bohlenballastierung, Bohlenvorderwand
sowie die Grundeinstellung von Pressleisten und Stampfer lassen
sich auf Dränbeton optimal einstellen. Genaue Ergebnisse veröffentlicht
die Bundesanstalt für Straßenwesen zwar erst nach Beendigung
der Messungen an der B 56 bei Düren, aber der Trend stimmt:
alle Instrumente zum Messen der Geräuschemissionen zeichnen
deutlich weniger Lärm auf als bei konventionellen Straßen,
bestätigt Projektleiter Reichelt. Der Einbau von offenporigem
Beton weicht zwar vom Standardverfahren ab, gilt aber als technisch
gelöst. Dies ist mit der Verdienst der JOSEPH VÖGELE AG.
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