Dränbeton-Teststrecke in Düren:
Die Straße, die Lärm schluckt.

Das steigende Verkehrsaufkommen in Deutschland verursacht auch mehr Lärm. Minimierungspotenzial liegt im Belag:
Der offenporige Dränbeton vernichtet einen Teil der Rollgeräusche direkt an der Quelle ihrer Entstehung. Die Pionier-
arbeit der JOSEPH VÖGELE AG hat dazu beigetragen, dass Dränbeton wirtschaftlich eingebaut werden kann.
Ein Forschungsprojekt in Düren liefert jetzt den Beweis für seine Wirksamkeit.


Am Anfang war der Widerspruch. Die Straßendecke muss dicht halten, um von der Konstruktion darunter Wasser fernzuhalten. Das war nur eine der Schwierigkeiten, die beim Einbau von offenporigem Beton gelöst werden musste. Eine andere war der spezielle Haftkleber, den Dränbeton benötigt und den der Fertiger beim Auftragen nicht verdrängen darf. Hinzu kam, dass Dränbeton zwar zu den leisesten Fahrbahnbelägen überhaupt zählt, die bisher mögliche kurze Nutzungsdauer eine wirtschaftliche Verarbeitung aber verhinderte.

Verbundprojekt Leiser Straßenverkehr gegründet.

Der modifizierte VÖGELE
SUPER 1800.


Das spezielle Rührwerk mit
seinem Tankinhalt ist Ausgangspunkt für die Aufbringung der Haftbrücke.


Kettenfahrwerk mit Spikes für zerstörungsfreies Überfahren
der Haftbrücke
.

Beispiel eines Deckenaufbaus:

2-lagige Betondecke aus offenporigem und dichtem Beton. Verbund über Haftbrücke.


Diese Probleme technisch in den Griff zu bekommen, war sehr aufwendig. Mitarbeiter von VÖGELE haben solange getestet und entwickelt, bis sie ein effizientes Verfahren fanden. Als dominierende Quelle für den Störschall ist das Reifen-Fahrbahn-Geräusch bei PKW ab 40 km/h und bei LKW ab 70 km/h identifiziert. Deshalb initiierte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) gemeinsam mit mehreren Unternehmen, darunter die JOSEPH VÖGELE AG, das Verbundprojekt Leiser Straßenverkehr (Leistra). Ziel ist es, Lärm bereits an seiner Entstehungsquelle einzudämmen: an der Schnittstelle von Reifen und Straße. Das Projekt machte es sich zur Aufgabe, bis zu drei dB (A) leisere Komponenten für den Straßenbau zu konzipieren und zu erproben. Beim Belag experimentierte die BaSt mit lärmminderndem Gussasphalt, Waschbeton, offenporigem Asphalt und klassischem Beton. Die alternative Maßnahme zur Minimierung von Straßenlärm kommt teuer: in Deutschland bestehen bereits 2.800 km Lärmschutzwälle. Neue Straßen werden künftig nur noch mit diesen kostenintensiven Bauwerken errichtet werden können. „Den Straßenver-kehrslärm durch Wände und Wälle zurück zu halten ist gut, ihn gar nicht oder in geringerem Umfang entstehen zu lassen ist noch besser“, erläutert die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Angelika Mertens, das Interesse der Regierung an Leistra.

Auf der Bundesstraße 56 bei Düren fertigte die F. Kirchhoff Straßenbau GmbH & Co. KG mit einem VÖGELE SUPER 1800 (Bohlenbreite 7,5 m) eine Teststrecke, die aus verschiedenen Belägen besteht. Dort nehmen inzwischen Sensoren Geräuschemissions-Messungen vor.

Fertiger auf leisen Bohlen.
„Erste Forschungsergebnisse belegen, dass eine deutliche Lärmminderung des Gesamtsystems Reifen-Fahrbahn mit heute verfügbaren technischen Kom-ponenten erreichbar ist“, sagt Dr. Peter Reichelt, Projektleiter von der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Was Wirtschaftlichkeit und Lärmminderungs-Wirkung betrifft, ist Dränbeton das vielversprechendste Material. Eine technische Lösung für die Verarbeitung zu finden war aber sehr aufwendig: VÖGELE musste viele Versuchsreihen auf dem eigenen Testgelände in Mannheim fahren, bevor die Fertiger Dränbeton erstmals auf öffentlichen Straßen einbauen konnten.

Anfangs bereitete die spezielle Haftbrücke zum Dränbeton Probleme. Diesen muss der Fertiger in einem Arbeitsschritt mit dem Dränbeton auftragen. Die JOSEPH VÖGELE AG modifizierte dazu einen

Standardfertiger mit Kettenfahrwerk. Die Ingenieure rüsteten die grüngelbe Maschine zusätzlich mit einem Tank inklusive einem Rührwerk für den Haftkleber aus. Der Tank kann während des Arbeitsvorgangs seitlich nachgefüllt werden. So lassen sich Arbeitsunter-brechungen vermeiden, die zu unerwünschten Übergängen führen. Damit der Haftklebefilm nicht durch das Kettenfahrwerk des Fertigers bei der Überfahrt zerstört wird, ersetzte man die einzelnen Raupenplatten durch eine Spikes-Konstruktion.

Das Ergebnis kann sich hören lassen.
Die Hochverdichtungsbohle SB 250 TVP2 ist für den Betoneinbau prädestiniert: Stampfer, Bohlenballastierung, Bohlenvorderwand sowie die Grundeinstellung von Pressleisten und Stampfer lassen sich auf Dränbeton optimal einstellen. Genaue Ergebnisse veröffentlicht die Bundesanstalt für Straßenwesen zwar erst nach Beendigung der Messungen an der B 56 bei Düren, aber der Trend stimmt: alle Instrumente zum Messen der Geräuschemissionen zeichnen deutlich weniger Lärm auf als bei konventionellen Straßen, bestätigt Projektleiter Reichelt. Der Einbau von offenporigem Beton weicht zwar vom Standardverfahren ab, gilt aber als technisch gelöst. Dies ist mit der Verdienst der JOSEPH VÖGELE AG.