SUPER Fertiger drehen die schnellste Runde Südostasiens

VÖGELE Fertiger bauen die neue Formel-1-Strecke in Singapur.

Atemberaubende Kulisse für das erste Formel-1-Rennen bei Nacht: Die Skyline des Stadtstaats Singapur.

Die Vorbereitungen für den Formel-1-Grand-Prix in Singapur laufen auf Hochtouren. Wenn am 28. September die 900 PS starken Boliden über den Stadtkurs rasen, werden sie perfekte Bedingungen vorfinden. Daran arbeitete ein erfahrenes Einbauteam mit vollem Einsatz. Bei der Maschinenwahl in der Pole Position: zwei VÖGELE Fertiger vom Typ SUPER 1600-2. Mehrere Passagen der Strecke wurden mit speziellem Deckschichtmischgut asphaltiert, das den strengen Anforderungen des Automobilweltverbands FIA entspricht.

Die beiden Hauptaufträge zur Ausführung der Asphaltarbeiten gewann das Bauunternehmen OKP Holdings Limited aus Singapur. Zu den auszuführenden Arbeiten gehörte der Deckenaustausch im Bereich der Meeresbucht Marina Bay, die Verbreiterung des Raffles Boulevards sowie die Herstellung neuer Deckschichten auf zahlreichen bestehenden öffentlichen Straßen auf und an der Strecke. Dies betraf Teile der Raffles Avenue, der St. Andrews Road, der Fullerton Road, des Nicholl Highway, der Temasek Avenue und des Temasek Boulevards. Auf diesen Abschnitten wurden zwischen 5 und 5,5 cm der Oberfläche abgefräst, bevor die VÖGELE Fertiger 5 bis 10 cm des speziellen Formel-1-Asphalts einbauten.

Spezielles Mischgut für Formel-1-Strecken sorgt für Grip

Der SUPER 1600-2 stellte perfekte Asphaltoberflächen aus Spezialmischgut her.

Dieses Spezialmischgut mit polymermodifiziertem Bitumen trägt die Bezeichnung F1 SBS (Styrene Butadiene Styrene) PMB (Polymer Modified Bitumen) und wurde entwickelt, um die extremen Bedingungen für Hochgeschwindigkeits- Autorennen zu erfüllen. Das gegenüber konventionellem Deckenmischgut um 80 Prozent teurere Material bietet höheren Widerstand gegen Schubkräfte und Deformierung. Die Firma Hanson Buildings Materials hat den Rennstrecken-Asphalt entwickelt. Dieser »Formel-1-Mix« enthält polymermodifiziertes Bindemittel und verfügt über eine signifikant höhere Viskosität als konventionelles Deckschichtmischgut, hält hohen Temperaturen stand, ohne weich zu werden und weist einen niedrigeren Rollwiderstand auf. Seine raue Oberflächentextur schafft zudem viel Grip für die Rennwagen. „Dieses Material ist mit gewöhnlichem Mischgut nicht zu vergleichen. Seine Verarbeitung mit dem Fertiger war wegen der hohen Viskosität für unser Einbauteam eine große Herausforderung“, sagt der Geschäftsführer von OKP Holdings, Herr Or Toh Wat.

Es gelten strenge Toleranzbereiche von 3 mm

Nach den strengen Regeln der FIA darf die Abweichung in Bezug auf Oberflächenebenheit lediglich 3 mm auf 4 m in Querrichtung betragen – gemessen an jedem beliebigen Punkt der Strecke. Außerdem gelten auf Stadtkursen spezielle Vorschriften bezüglich der Fahrbahnmarkierung. Diese müssen an den Bremspunkten entfernt werden, damit die Rennwagen nicht ins Schleudern kommen können, ebenso an unübersichtlichen Stellen und in Kurven, um die Fahrer nicht zu verwirren. Für die Endkontrolle und Abnahme der Strecke müssen Bauarbeiten 90 Tage vor dem Rennwochenende fertiggestellt sein.

Probelauf für das Einbauteam und die SUPER 1600-2

Damit all diese Parameter des anspruchsvollen Auftrags in Singapur eingehalten wurden und der Einbau möglichst reibungslos ablaufen konnte, hat OKP in zwei neue, moderne VÖGELE Straßenfertiger investiert. Die Maschinen der aktuellsten Strich-2-Generation vom Typ SUPE R 1600-2 können mit einer Maximalbreite von 8 m arbeiten. Das Einbauteam wurde mit dem Fertiger und dem Nivelliersystem NIVELTRONIC® Plus sehr schnell vertraut. „Dies war eine wichtige Voraussetzung. Schließlich sollte der Bau des 5,1 km langen Rundkurses vom ersten Meter an perfekt gelingen“, so Herr Or Toh Wat, Geschäftsführer von OKP Holdings.

Highlights Raupenfertiger SUPER 1600-2

  • Maximale Einbaubreite 8 m
  • Einbaukapazität bis 600 t/h
  • Maximale Einbaudicke 30 cm
  • Transportbreite 2,55 m
  • Einbaugeschwindigkeit bis 24 m/min
  • Transportgeschwindigkeit bis 4,5 km/h
  • Leistungsstarker PERKINS Dieselmotor mit 100 kW
  • Bedienkonzept ErgoPlus®

Nivellieren mit dem VÖGELE Big-MultiPlex-Ski

Das Einbauteam arbeitet hochkonzentriert an dem Stadtkurs.

Um die hohen Anforderungen bezüglich der Einbaugenauigkeit auf dem Grand-Prix-Kurs einzuhalten, montierte das Einbauteam zunächst je einen VÖGELE Big-MultiPlex-Ski an die beiden Raupenfertiger. Dieses moderne Sensorsystem für die Nivellierung beruht auf der bewährten Technologie des VÖGELE Ultraschall-Höhenfühlers. Gegenüber einem einzelnen Ultraschall-Höhenfühler bietet der Big-MultiPlex-Ski viele Vorteile: Durch das Aneinanderreihen von drei Höhenfühlern ist es möglich, eine Unterlage an mehreren, relativ weit auseinander liegenden Punkten gleichzeitig abzutasten. Aus diesen Messergebnissen leitet die VÖGELE Nivellierautomatik NIVELTRONIC® Plus ein virtuelles Referenzniveau ab. Die drei an einem Träger befestigten Ultraschall-Sensoren decken einen Bereich von bis zu 13 Metern ab. Das hat den Vorteil, dass das System lang gezogene Unebenheiten wie Bodenwellen erkennt und ausgleicht. Die Steuerung erfolgt über die ErgoPlus® Bohlen-Bedienkonsolen und ist denkbar einfach.

Experten-Know-how für das Einbauteam

Natürlich setzte OKP Holdings auf der Baustelle in Singapur auf ein eingespieltes Einbauteam, das bereits seit Jahren zusammenarbeitet und unterschiedlichste Jobs erfolgreich abgewickelt hat. Dennoch hatte die Mannschaft großen Respekt vor dem Bauvorhaben. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, zog man ausgewiesene Experten hinzu. Zum einen war dies Dr. Low Boon Hwee, ein Materialexperte von Hanson Building Materials, dem Hersteller des Mischguts, zum anderen anwendungstechnische Experten von VÖGELE. Diese verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in allen Einbaufragen und standen bereits bei vielen Grand-Prix-Strecken beratend zur Seite – zum Beispiel in Hockenheim, auf dem Nürburgring und in Barcelona.

Einbauteam ist begeistert von den SUPER Fertigern

Nachdem bereits die Testreihen erfolgreich verliefen, konnte der Bau der Rennstrecke reibungslos durchgeführt werden. Das OKP-Einbauteam war voll des Lobes für ihre neuen VÖGELE Straßenfertiger. Der gesamte Einbau erfolgte, wie auch später das Rennen selbst, entgegen dem Uhrzeigersinn. Dadurch verkehren die Formel-1-Boliden auf dem Rundkurs stets in derselben Richtung, in der auch das Mischgut eingebaut wurde. Somit ist der Rollwiderstand minimiert und die Strecke bestens präpariert.

Einbau heiß-an-heiß

Die Gesamtbreite des Kurses liegt bei 15 m. Die beiden SUPER 1600-2 arbeiteten deshalb in einer Arbeitsbreite von 7,5 m. Eine Vorgabe des Auftraggebers bestand darin, die Nähte zwischen den hergestellten Bahnen sauber zu verzahnen. Daher verlegten die beiden SUPER 1600-2 die Bahnen heiß-an-heiß.

Leise VÖGELE Fertiger schonen die Anwohner

Da die meisten Arbeiten mitten in der 4,6 Millionen Einwohner zählenden Stadt nachts ausgeführt wurden, galt es, besonders leise zu Werke zu gehen. Vor allem betraf dies die Baumaschinen, die auch unter dem Aspekt der Lärmemissionen ausgewählt wurden. Nicht zuletzt deshalb war die Wahl der modernen SUPE R Fertiger genau die richtige: Der kraftvolle PERKINS Dieselmotor läuft bereits im Standardbetrieb ausgesprochen geräuscharm. In der Drehzahl-Stufe ECO, die für eine Vielzahl von Arbeiten absolut ausreichend ist, reduzieren sich die Geräuschemissionen noch weiter.

Begutachtung nach dem Internationalen Rauigkeitsindex (IRI)

Im Anschluss an die Einbauarbeiten erfolgte eine zweifache Begutachtung der Strecke unter Aspekten der Befahrbarkeit nach dem Internationalen Rauigkeitsindex (IRI). Die erste Prüfung fand direkt nach der Fertigstellung der Strecke statt, eine zweite 6 Wochen vor dem Rennen. Die Begutachtungen führte ein unabhängiges, akkreditiertes Labor anhand von Bohrkernen durch. Dann darf endlich Gas gegeben werden: Nicht nur die an den Bauarbeiten beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fiebern dem Moment am 28. September entgegen, wenn die letzten Rotlichter der Signalanlage erlöschen und das erste Rennen in der Geschichte der Formel-1 unter Flutlicht freigegeben wird.

Der Formel-1-Mix von Singapur

In Singapur erfüllte die Spezial-Asphaltmischung vom Typ F1 SBS (Styrene Butadiene Styrene) PMB (Polymer Modified Binder) die strengen Anforderungen für Formel-1- Rennstrecken. Der Mix wurde nach umfangreichen Tests speziell für diesen Einsatz entwickelt.

Auch dieses Formel-1-Mischgut enthält einen für Renn- und Teststrecken konzipierten polymermodifizierten Binder, der eine höhere Viskosität aufweist, höhere Steifigkeit, einen höheren Erweichungspunkt und einen niedrigeren Penetrationspunkt als Mischgut für den konventionellen Straßenbau.

Wie aus dem Spurbildungstest hervorging, zeichnete sich das Formel-1-Mischgut durch höhere Verformungsresistenz im Vergleich zu üblichen Asphalt-Mischungen aus. Der dynamische Kriechtest zeigte, auch die Dauer-Verformungsresistenz ist höher. Durch die ausgeprägte Belagstextur wurde auch die Griffigkeit wesentlich erhöht.

Quelle: SOUTHEAST ASIA CONSTRUCTION, Ausgabe März/April 2008.

Asphaltmischungen für Rennstrecken

Bei allen Rennstrecken, auf denen die Formel-1 gastiert, hat sich im Laufe der Jahre Asphaltbeton als Fahrbahnbelag durchgesetzt. Bei diesen Anwendungen stehen vor allem Asphaltqualitäten im Vordergrund, die sich auf die Befahreigenschaften des Belags beziehen, d.h. Griffigkeit und Ebenheit in Längs- und Querrichtung.

Die Griffigkeit wird unter anderem durch die Wahl besonders polierresistenter Mineralstoffe erreicht. Ein Maß dafür ist der PSV-Wert (Polierwert von Splitt). Verwendete Minerale mit PSVWerten > 58 tragen in hohem Maße zu anhaltend guten Griffigkeitswerten bei. Auf Rennstrecken werden bevorzugt Asphaltbetonbeläge gewählt, da diese durch die Mineralstoffzusammensetzung mit hohem Sandanteil, ohne Ausfallkörnung, in der Regel ein ausgewogenes Verhältnis von Mega-, Makround Mikrorauheit aufweisen und somit eine gute Dauergriffigkeit besitzen. Der Internationale Rauigkeitsindex (IRI) ist die kennzeichnende Größe für die Griffigkeit einer Asphaltoberfläche. Hier gilt die Regel: je höher der Index, desto besser der Grip.

Für das Erreichen der perfekten Ebenheit, gleichermaßen eine wichtige Eigenschaft von Formel-1-Strecken, ist eine Maschinentechnik gefragt, die in Kombination mit der geeigneten Asphaltmischung die hohen Ansprüche dieser Bauprojekte erfüllen kann. Schubfestigkeit und Verformungsfestigkeit sind weitere Eigenschaften des Belags, die auf Rennstrecken weitaus höheren Anforderungen standhalten müssen als im konventionellen Straßenbau. Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken sind die Beanspruchung der Beläge nicht hohe statische oder dynamische Belastungen aus hohen Gewichten, sondern die horizontalen Schubkräfte, die durch Brems- und Beschleunigungvorgänge der 900 PS Boliden in den Belag hineingetragen werden. Des Weiteren muß das Mischgut hohe Stabilitäten besitzen, um Verformungen bei den zu erwartenden Hitzerennen zu vermeiden.

Als Bindemittel hat sich Bitumen unter Zusatz von Trinidad Naturasphalt oder durch Kunststoffadditive (Polymere) veredeltes Bitumen als die beste Wahl bewährt. Die speziellen polymermodifizierten Binder sind sehr gut dafür geeignet, die extremen Tangentialkräfte aus Brems- und Beschleunigungsvorgängen sowie schnellen Kurvenfahrten mit engen Radien aufzunehmen. Daneben sind sie hochelastisch und haftstark. Sie verfügen über einen sehr hohen Polymergehalt, um den extremen Ansprüchen der Streckenbeläge an Verformungsfestigkeit, Klebeverhalten (Klebekraft am Gestein) und Flexibilität Rechnung zu tragen.

Großer Preis von Singapur: Der neue Star im Formel-1-Kalender

Erstmalig wird am 28. September 2008 ein Formel-1-Rennen im südostasiatischen Stadtstaat Singapur stattfinden. Neben Monaco und Valencia ist Singapur einer von drei Stadtkursen. Die Tribünen mitten in der Innenstadt der Millionenmetropole bieten Platz für 80.000 bis 90.000 Zuschauer.

Zu 70 % besteht die Rennstrecke aus sonst öffentlichen Straßen. Das Design der speziellen Abschnitte für den Formel-1-Kurs stammt von dem Bauingenieur und Rennstreckenspezialist Hermann Tilke. Eine weitere Besonderheit: Der Grand Prix von Singapur ist eines von derzeit drei Rennen, die entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren werden.

Wirklich einzigartig in der Geschichte der Formel-1 macht den Großen Preis von Singapur der Startzeitpunkt: Rennbeginn wird um 20 Uhr sein. Damit wird hier das erste Nachtrennen überhaupt ausgetragen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, werden rund 1.500 Scheinwerfer die Strecke taghell ausleuchten.

Baustellendaten

Herstellung der Deckschicht auf dem Stadtkurs des Formel-1 Singapur Grand Prix
Gesamtlänge der Rennstrecke: 5,067 km

Einbaudaten
Einbaubreite: variierend bis maximal 7,5 mEinbaudicke: 5–10 cm
Einbaumaterial
Spezialmischgut F1 SBS
(Styrene Butadiene Styrene)
PMB (Polymermodifiziertes Bitumen)

Maschineneinsatz
2 SUPER 1600-2 mit der
Einbaubohle AB 500-2 TV

Formel-1-Kurs in Singapur

Rennen: Großer Preis von Singapur
Länge: 5,067 km
Runden: 61
Distanz: 309,087 km
Erster Start: 28. September 2008, 20:00 Uhr Ortszeit

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