VÖGELE mit Vollgas für die Formel 1

SUPER Fertiger bauen die neue Rennstrecke in Abu Dhabi.

Der Bau der neuen Formel 1-Rennstrecke in Abu Dhabi ist ein Projekt der Superlative. Während der Kampf um den Weltmeistertitel 2009 schon entbrannt ist und die Sieger der ersten Rennen bereits feststehen, arbeiten in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) derzeit über 6.000 Bauleute mit Hochdruck an der Fertigstellung des neuen High-Speed-Kurses und seiner umliegenden Infrastruktur. Spätestens beim »Großen Preis von Abu Dhabi« im November entscheidet sich, wer dieses Jahr Weltmeister in der Königsdisziplin des internationalen Motorsports wird. Mitten im Getümmel: VÖGELE Fertiger und HAMM Walzen der Firma Bickhardt-Bau aus Deutschland. Sie sorgen für den perfekten Belag auf der Rennstrecke sowie auf den Straßen der gesamten riesigen Peripherie.

Einbau der Binderschicht auf der Rennstrecke: Lage und Profil werden ständig überprüft.

Der Zeitplan für das Team von Bickhardt-Bau war sehr ambitioniert: Nachdem im Mai 2008 die VÖGELE Fertiger und HAMM Walzen bereits per Container von Deutschland aus auf die Reise geschickt worden waren, stand nach ihrer Ankunft am Persischen Golf zunächst der Einbau der Trag- und Binderschicht auf dem Programm. Im Juni 2009 wird der Einbau der Deckschicht folgen. Ein stolzes Pensum für die deutschen Straßenbauer und ihre Maschinen der WIRTGEN Group: Der Auftragsumfang umfasst die 5,55 km lange Rennstrecke inklusive Ausrollzonen, Fahrerlager und Rettungswegen sowie sämtlichen Zufahrtsstraßen und Parkflächen. Insgesamt werden im Rahmen des Projekts in Abu Dhabi 950.000 t Schottertragschicht eingebaut und aus 210.000 t Asphalt 750.000 m² Asphaltfläche gefertigt.

Zwei SUPER 1900-2 gehen an den Start

Rolf Weibel, Vertriebsmanager Nahost bei VÖGELE, besuchte die Mannschaft von Bickhardt-Bau.

Die Firma Bickhardt-Bau ist erfahren im Umgang mit Fertigern von VÖGELE und die Einbauteams kennen sich bestens mit den Maschinen aus. In Abu Dhabi setzen sie auf zwei leistungsstarke Fertiger vom Typ SUPER 1900-2 mit Ausziehbohle AB 600-2 TP2. Diese Hochleistungsfertiger verfügen über zahlreiche Merkmale, mit denen sie die geforderte extrem hohe Qualität sicherstellen können. Das Qualitätskonzept beginnt bereits bei der Materialaufnahme: Große, pendelnd gelagerte Abdruckrollen sorgen für eine ruckfreie Beschickung durch die Lkw – eine wichtige Voraussetzung für größtmögliche Ebenheit beim Einbau.

Die Hochverdichtungsbohle AB 600-2 TP2 bringt Höchstleistung

VÖGELE Fertiger und HAMM Walzen sorgen für Top-Qualität auf der Rennstrecke sowie auf sämtlichen Parkflächen und Zufahrten.

Die Basis für einen perfekten Schichtenaufbau legte in Abu Dhabi die Hochverdichtungstechnologie von VÖGELE. Vor allem bei der Trag- und Binderschicht setzte Bickhardt-Bau auf die Verdichtungswirkung des Tampers und der zwei im hinteren Bereich der Hochverdichtungsbohle angeordneten Pressleisten. Damit erzielten die Fertiger erstklassige Vorverdichtungswerte von 92 % und mehr.

Ebenheit ist Qualitätskriterium Nr. 1

„Bei den Rennstrecken gibt es zwei Hauptkriterien für die Qualität: Den PSV-Wert (»Polished Stone Value«) der Deckschicht und die Ebenheit. Der PSV-Wert, ein Maß für die Polierresistenz des Gesteins, entscheidet über den Grip. Er ist vor allem eine Frage des Materials. Aber die Ebenheit beeinflussen wir maßgeblich durch die Fertiger“, so Bauleiter Frank Dittrich von Bickhardt-Bau. Die Vorgabe ist höchst anspruchsvoll: Für die Ebenheit ist eine maximale Toleranz von nur 2 mm, gemessen auf eine Distanz von 4 m in Längsrichtung, zulässig. „Dank VÖGELE Nivelliertechnik haben wir bereits bei der Binderschicht die gewünschte Ebenheit nahezu überall erreicht. Und ich weiß: Auch bei der Deckschicht werden wir mit unseren VÖGELE Fertigern dieses Ziel realisieren“, so der Bauleiter.

Nivelliersysteme von VÖGELE erfüllen höchste Ansprüche

Da die Tragschicht bereits eine sehr hohe Ebenheit aufwies und der Big-MultiPlex-Ski hervorragende Ergebnisse erzielt, konnte bereits beim Einbau der Binderschicht auf Leitdrähte verzichtet werden.

Die Anforderungen an die Ebenheit steigen von Schicht zu Schicht. Die enorme Präzision erreicht Bickhardt-Bau durch die Verwendung der VÖGELE Nivellierautomatik NIVELTRONIC Plus® in Verbindung mit den jeweils passenden Sensoren aus dem umfangreichen VÖGELE Produktprogramm. Auf der Rennstrecke haben Trag- und Binderschicht eine Breite von 20 m. Dabei wurde die Tragschicht überwiegend in vier Bahnen zu je 5 m eingebaut. Auf den Geraden und in den weit angelegten Kurven arbeitete Bickhardt-Bau beim Bau der 8 cm dicken Tragschicht mit Leitdraht auf der äußeren Seite der ersten Bahn. Bei den weiter innen liegenden Bahnen kombinierte das Team einen Neigungssensor mit dem Ultraschall-Multi-Sensor, der die vorher eingebaute Bahn abtastete. In den engen Kurven kam für jede der vier Bahnen ein Leitdraht zum Einsatz, der dem Ultraschall-Multi-Sensor als Referenz diente.

Big-MultiPlex-Ski spielt seine Vorteile aus

Die Binderschicht wurde in drei Bahnen à 6,70 m Breite hergestellt. Dort hatte der Big-MultiPlex-Ski von VÖGELE seinen ersten großen Auftritt. „Mit dem Big-MultiPlex-Ski kann man eigentlich gar nichts falsch machen – das ist eine fantastische Lösung“, begeistert sich auch Einbaumeister Horst Hennighausen, der bereits den Asphalteinbau auf den Rennstrecken in Bahrain und Shanghai geleitet hat, für das Sensorsystem aus dem VÖGELE Produktprogramm. „Durch das Messkonzept nivelliert das System Unebenheiten von ganz alleine aus.“ Die Vorteile des Big-MultiPlex-Ski wird Bickhardt-Bau deshalb auch beim Einbau der Deckschicht nutzen.

Bohlenentlastung sorgt für Top-Qualität in engen Kurven

Über die Fahrer- und die Bohlen-Bedienkonsole kann der Entlastungsdruck für beide Bohlenseiten getrennt reguliert werden.

Vor allem beim Bau der engen Kurven nutzte das Team von Bickhardt-Bau einen weiteren Vorteil der VÖGELE Fertiger: die Bohlenentlastung. Dieses System reduziert den Druck, den die Bohle auf das einzubauende Mischgut ausübt. Der Entlastungsdruck lässt sich für beide Seiten getrennt einstellen. In Abu Dhabi erleichterte diese Technologie den Einbau der Trag- und Binderschicht in den Innenradien der sehr engen Kurven. 90°-Winkel waren bei nur 3 m Einbaubreite zu fertigen; die Bohle war demnach komplett eingefahren. Dadurch konzentrierte sich das Eigengewicht der AB 600-2 TP2 auf eine minimale Arbeitsbreite. Die stufenlos einstellbare Bohlenentlastung sorgt in dieser Situation für den nötigen Auftrieb und unterstützt das Schwimmverhalten der Bohle. Dabei wurde die Bohle auf der kurveninneren Seite mehr entlastet als im äußeren Kurvenbereich, denn im Kurveninnenradius erhält die Bohle – bedingt durch die langsamere Vorwärtsbewegung – weniger Auftrieb. So konnte die AB 600-2 TP2 in dieser anspruchsvollen Einbausituation über die gesamte Arbeitsbreite perfekt auf dem Mischgut aufschwimmen und trug ihren Anteil bei zur Realisierung der hohen Ebenheit.

Spezieller Racing-Mix für perfekten Grip

Das am besten gehütete Geheimnis beim Bau von Rennstrecken ist die Zusammensetzung des Mischguts. Nur so viel sei gesagt: Auf einer 50 cm dicken Schottertragschicht, die mit Gradern eingebaut wurde, ruht eine 8 cm dicke bituminöse Tragschicht (0/19). Die 4 cm dicke Binderschicht besteht aus polymergebundenem Material mit einer maximalen Korngröße von 14 mm. Der Mix für die Deckschicht basiert auf Gestein in der Korngröße (0/11) in einer »Spezialmischung für Rennstrecken«. Rund 10.000 t Granit aus Malaysia und Grauwacke aus England wurden dazu an den Persischen Golf geliefert. Der Grund: Mit den lokal verfügbaren Baustoffen wäre der erforderliche Reibungswert – auch PSV genannt – von mehr als 57 nicht zu erzielen gewesen.

Expertenwissen vor Ort gefragt

Auf Rennstrecken herrschen andere Regeln als beim konventionellen Straßenbau. Diplom-Geologe Jürgen Mika vom Chemisch Technischen Laboratorium Heinrich Hart GmbH ist regelmäßig in Abu Dhabi und kennt die Details: „Mit den vor Ort üblichen Mischgutrezepturen und Gesteinskörnungen hätten wir die gewünschte Ebenheit in der Binderschicht nicht erzielen können. Nach einigen Probeläufen haben wir aber ein Mischgut gefunden, das eine viel höhere Rautiefe aufweist. Auch die Standfestigkeit des Materials beim Walzen ist wesentlich größer. Das war vor allem für die Verdichtung der engen Kurven wichtig, die teilweise ein Gefälle nach außen aufweisen.“

Mit zwei Fertigern über die Start-Ziel-Gerade

Für Juni 2009 steht der Einbau der Deckschicht auf dem Plan. Im Bereich der eigentlichen Rennstrecke wird die Decke »heiß an heiß« gefertigt. Auf den Geraden bauen zwei SUPER 1900-2 die 14 m breite Asphaltschicht ein. „Damit Ebenheit und Qualität stimmen, werden wir beim Bau der 4 cm dicken Deckschicht mit einer Geschwindigkeit von nur 3 m/min arbeiten“, so der Einbaumeister. Die abschließende Verdichtung und Versiegelung werden die Tandemwalzen von HAMM hochwertig und zuverlässig erledigen. Bis im Sommer der Job komplett abgeschlossen sein wird, haben die Männer von Bickhardt-Bau und ihre Hochleistungsfertiger von VÖGELE noch einiges zu tun. Doch alles spricht dafür, dass das Ziel in der vorgegebenen Zeit erreicht wird. Und das, obwohl das Wetter auch in der Wüste so manche Kapriolen schlägt: „Wir mussten schon mehrfach die Arbeiten wegen Regen oder Sandstürmen einstellen“, berichtet Frank Dittrich. Aber auch er ist sich sicher, dass rechtzeitig zum Einzug des Formel 1-Zirkus alles fertig sein wird und Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, der Kronprinz von Abu Dhabi, der Welt stolz die neue Rennstrecke präsentieren kann.

Highlights Raupenfertiger SUPER 1900-2

  • Maximale Einbaubreite 11 m
  • Einbaukapazität bis 900 t/h
  • Maximale Einbaudicke 30 cm
  • Transportbreite 2,55 m
  • Einbaugeschwindigkeit bis 25 m/min
  • Transportgeschwindigkeit bis 4,5 km/h
  • Leistungsstarker DEUTZ Dieselmotor mit 142 kW
  • Bedienkonzept ErgoPlus®
  • Festes GFK-Dach

Neues Highlight im Rennkalender: Der »Yas Marina Circuit«

Der weltweit bekannte Aachener Rennstrecken-Architekt Hermann Tilke zeichnet für den Entwurf des neuen Parcours verantwortlich. „Wir haben einige Hügel aufgeschüttet, sodass die Strecke auf und ab gehen wird“, sagt Tilke, der bereits die Grand-Prix-Strecken in Malaysia, China, Bahrain und der Türkei geplant hat. Die 5,55 km lange Strecke führt über einen Hochgeschwindigkeitsabschnitt am Hafen entlang sowie durch das Zentrum der Insel. Die Kulisse entlang des Yachthafens sorgt für »Monaco-Feeling« in der Wüste. Auf den anderen Abschnitten gibt es zahlreiche Kurven, in denen Überholmanöver reichlich Spannung bieten werden. Für das Formel 1-Rennen um den »Großen Preis von Abu Dhabi« sind 55 Runden vorgesehen. Das entspricht einer Renndistanz von 309,12 km. Entlang der gesamten Strecke werden umfangreiche Beleuchtungsanlagen installiert, sodass hier auch Nachtrennen stattfinden können.

Dies ist übrigens weltweit die erste Rennstrecke, bei der alle Tribünen überdacht sind. So können bis zu 50.000 Zuschauer, Teams und Medien-Vertreter die Boliden beim Kampf um den Sieg von schattigen Plätzen aus verfolgen. Die beste Aussicht werden die VIPs haben: Sie können auf dem 60 m hohen »Sun-Tower« Platz nehmen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate lassen sich das Gesamtprojekt, mit dem sie Urlauber in ihr Land am Persischen Golf locken wollen, 40 Milliarden Dollar kosten. Auf der 2.500 ha großen natürlichen Insel »Yas« entstehen neben der Rennstrecke auch ein »Ferrari-Park« mit eigenem Museum und Theater sowie eine Fahrerschule, Kartbahnen, Dünenkurse, drei Golfanlagen, mehrere 5-Sterne-Hotels, 356.000 m² Verkaufsfläche für verschiedenste Boutiquen, Restaurants und Luxusimmobilien.

Eigene Strecke für Beschleunigungsrennen

Der 5,55 km lange Kurs ist mit insgesamt 20 Kurven äußerst abwechslungsreich gestaltet. Auf der langen Geraden soll eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreicht werden.

Parallel zum Formel 1-Parcours entsteht in Abu Dhabi eine 1,2 km lange Dragster-Beschleunigungsstrecke. Die Dragster der Profis und der oberen Amateurklassen leisten bis zu einige tausend PS. Sie legen die Viertelmeile, das sind 402,34 m, in nur 5 – 7 Sekunden zurück. Wegen der enormen Hitzeentwicklung beim Start dieser leistungsstarken Leichtgewichte werden die ersten 600 m aus Beton gefertigt. Auf der restlichen Strecke wird Asphalt eingebaut. Dafür sind dann wieder VÖGELE Fertiger und HAMM Walzen am Start.

Baustellendaten
Bau der Rennstrecke »Yas Marina Circuit« in Abu Dhabi
Gesamtlänge der Baumaßnahme: 5,55 km

Einbaudaten
Einbaubreite: 20 m, eingebaut in 3 – 5 Bahnen
Einbaudicke:
Schottertragschicht: 50 cm
Bituminöse Tragschicht: 8 cm
Binderschicht: 4 cm
Deckschicht: 4 cm

Einbaumaterial
Tragschicht: Bituminöse Tragschicht (0/19)
Binderschicht: Mischgut (0/14) mit PmB
Deckschicht: Spezialmischung für Rennstrecken, basierend auf Gestein in der Korngröße (0/11)

Maschineneinsatz
2 SUPER 1900-2 mit der Einbaubohle AB 600-2 TP2
5 HAMM Walzen HD O75V
1 HAMM Walze HD 12 VV
2 HAMM Gummiradwalzen GRW 18

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