SUPER 1803-2 ebnet moderner »Arche Noah« den Weg

Einsatz nahe des Nordpols für einen VÖGELE Radfertiger.

Der futuristisch gestaltete Eingang des globalen Depots für Pflanzensamen auf Svalbard.

Ein SUPER 1803-2 spielte eine wichtige Rolle beim Bau der modernen »Arche Noah« in Spitzbergen. Im dauerhaft gefrorenen Boden des arktischen Archipels entstand in den vergangenen Monaten das »Svalbard Global Seed Vault«. Dabei handelt es sich um ein Depot für Pflanzensamen, das dazu beitragen soll, die Artenvielfalt auf unserem Planeten zu erhalten. Dort baute die skandinavische Bauunternehmung Lemminkäinen auf einer Fläche von 1.600 m² einen speziellen Softasphalt ein, der trotz einer Temperatur von konstant -18 °C langfristig seine Materialeigenschaften beibehalten wird.

120 m langer Tunnel im Permafrostboden

3D-Modell des Svalbard Global Seed Vault: An den 120 m langen Tunnel schließen sich die drei Lagerhallen für Pflanzensamen an.

Baumaschinen und Bauleute bestimmten das Bild auf Spitzbergen, Teil der Inselgruppe Svalbard, im Sommer 2007. Nur knapp 800 Kilometer vom Nordpol entfernt, entstand nahe der Kleinstadt Longyearbyen ein 120 m langer Tunnel unterhalb meterdicker Schichten aus Eis und Sandstein. Daran angeschlossen sind drei Hallen, in denen seit Februar 2008 Pflanzensamen aus allen Kontinenten lagern.

Lemminkäinen baute bereits die nördlichste Landebahn der Welt

Im Zugangstunnel zur Samenbank und in den Lagerhallen baute das skandinavische Bauunternehmen Lemminkäinen Asphalt ein. Die norwegische Niederlassung eines der größten Bauunternehmen Skandinaviens erhielt bereits im Jahr 2006 den Zuschlag für einen prestigeträchtigen Auftrag auf Spitzbergen (siehe RoadNews Ausgabe 8). Im Polarsommer sanierte und vergrößerte Lemminkäinen mit Maschinen der WIRTGEN Group, darunter einem VÖGELE Fertiger der Strich- 2-Generation, dem SUPER 1900-2, die nördlichste Landebahn der Welt, ebenfalls nahe Longyearbyen gelegen.

Softasphalt für harte Bedingungen

Der Bodenbelag im Zugangstunnel der Samenbank auf Svalbard und in den Hallen besteht aus einer 4 cm dicken Schicht aus Softasphalt MA 11 (siehe Exkurs »Softasphalt - genau das Richtige für arktische Temperaturen« auf Seite 18). Dieses spezielle Mischgut ist perfekt geeignet für das arktische Klima. Beim Einbau betrug die Außentemperatur etwa 6 °C – typische hochsommerliche Temperaturen auf Svalbard. Der Einbau des 6 m breiten Weges im Tunnel erfolgte – unter Permafrostverhältnissen – in zwei 3 m breiten Bahnen mit einer Ausziehbohle AB 500-2 TV. Grund für die geringe Einbaubreite war die Logistik: Der Fertiger wurde per Radlader beschickt, weil die Raumhöhe zum Teil das Abkippen der Ladefläche eines Lkw nicht zuließ. Dadurch war die Einbauleistung natürlich geringer als üblich. Die relativ kleine Einbaubreite wurde gewählt, um dennoch kontinuierlich arbeiten zu können.

Einsatzvorteil Wendigkeit

Mit seinen Xenon-Arbeitsscheinwerfern leuchtete der SUPER 1803-2 die Baustelle im Tunnel optimal aus.

Das Manövrieren in der Tunnelröhre und in den jeweils 300 m² großen Hallen erforderte Geschick und eine wendige Maschine. Hier konnte das Team von Lemminkäinen die Einsatzvorteile des Radfertigers SUPER 1803-2 voll ausnutzen. Der geringe Außenwenderadius von nur 6,50 m und die Konstruktion der Maschine ohne überstehende Elemente sowie die gute Sicht vom Bedienstand auf alle Ecken des Fertigers erleichterte der Einbaumannschaft die Arbeit erheblich.

Unkomplizierte Nivellierung

Für die Nivellierung kam die NIVELTRONIC® Plus in Kombination mit einem Ultraschall-Höhenfühler zum Einsatz. Das vorbereitete Planum diente als Referenz für die Einbauhöhe. Aufgrund der berührungslosen Messung und der flexiblen Montage des Sensors am Teleskoparm konnte der Ultraschall- Höhenfühler beim Umsetzen montiert bleiben und schränkte den Fertiger beim Rangieren nicht ein.

Allzeit bereit durch NIVELTRONIC® Plus

Während des Einbaus zeigten sich noch weitere Pluspunkte des Nivelliersystems von VÖGELE. Da wäre zum Beispiel die einfache Einrichtung. Die automatische Sensorerkennung registriert sofort, welcher Sensor angeschlossen ist. Eine Fehlbedienung ist somit nicht möglich. Ein weiterer Punkt ist die Schnelljustage. Dabei wird der ermittelte Ist-Wert als Soll-Wert definiert und abgespeichert. Nach jedem Umsetzen im Tunnel war die Maschine dank dieser Funktion sofort wieder startklar. Die schnelle Einsatzbereitschaft war bei den außergewöhnlichen logistischen Bedingungen von höchster Wichtigkeit für den Projekterfolg.

Einfache Bedienung dank ErgoPlus®

Zusätzlich erleichterten die ErgoPlus®-Bedienkonsolen mit ihren selbsterklärenden Symbolen und der logisch aufgebauten Benutzerführung die Bedienung. Besonders wichtig war, die Taster und Anzeigen auch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen im Tunnel perfekt zu erkennen. Dies ermöglichte die hinterleuchtete Anzeige der ErgoPlus® Konsolen.

Wirkungsvolle Schallisolierung

In dem niedrigen Tunnel musste das Dach des SUPER 1803-2 nicht abmontiert werden.

In Skandinavien wird bereits seit langem großer Wert auf geringe Geräuschemissionen gelegt. Beim Einbau im Tunnel konnte der SUPER 1803-2 punkten, weil die VÖGELE Ingenieure durch hervorragende Schallisolierung und die Wahl eines geräuscharmen Motors die Belastung für die Bediener merklich reduziert haben. Wenn, wie beim Einsatz in Svalbard, der Fertiger auch noch im ECO-Modus betrieben wird, reduziert das die Geräuschentwicklung der Maschine darüber hinaus weiter. Dadurch war das Team von Lemminkäinen nie hohen Lärmbelastungen ausgesetzt.

Einbauteam ist begeistert von seinem SUPER Fertiger

Das 7-köpfige Team von Lemminkäinen unter der Leitung von Gunnar Unstad war hochzufrieden mit der Zuverlässigkeit des VÖGELE Radfertigers SUPE R 1803-2: „Wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat. Ein Maschinenausfall hätte wegen der aufwändigen Logistik enorme Folgekosten verursacht. Aber wir vertrauen zu 100 % auf die Qualität der VÖGELE Fertiger und sind noch nie enttäuscht worden.“

Softasphalt – genau das Richtige für arktische Temperaturen

Das im Svalbard Global Seed Vault verwendete Mischgut (MA 11) eignet sich speziell für Flächen, deren Umgebungstemperatur unter dem Gefrierpunkt liegt. Das Mischgut mit einem Bindemittelanteil von 4,7 % (± 0,5 %) hat bei Minusgraden optimale Gebrauchseigenschaften und eine lange Lebensdauer. Kein Wunder, dass derartige Mischgüter zum Beispiel in Nordskandinavien und Alaska bekannt sind und dort gerne genutzt werden.

Asphalt mit hohem Bindemittelanteil

Als Mineralstoff wurde Gestein mit einer maximalen Korngröße von 11 mm verwendet. Bei dem Bindemittel handelte es sich um ein Fluxbitumen mit einer Viskosität von ca. 10.000 mm²/s bei 60 °C. Außerdem ist der Bindemittelanteil bei Softasphalt höher als bei herkömmlichen Asphalten. Seine außergewöhnlichen Materialeigenschaften wirken sich auch positiv auf die Einbauwilligkeit des Baustoffs aus. Die Einbaumannschaft bestätigte, dass der SUPER 1803-2 das Mischgut hervorragend verarbeitete.

Nur geeignet für arktische Temperaturen

Bei der Verwendung von Softasphalt gilt es allerdings Folgendes zu beachten: Steigt die Umgebungstemperatur für längere Zeit auf über 5 –10 °C an, verliert der Asphalt seine Belastbarkeit und Langlebigkeit. Sobald dann größere Gewichtskräfte einwirken, entstehen auf diesem Material durch Druckbelastungen sofort Verdrückungen bzw. Spurrinnen.

Depot für Pflanzensamen auf Svalbard

Der Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt verfolgt mit dem Svalbard Global Seed Vault das Ziel, das Saatgut von so vielen Nutzpflanzen wie möglich zu lagern. Damit sollen Arten erhalten werden, deren Existenz durch Naturkatastrophen (zum Beispiel Schädlingsbefall oder Klimaveränderung) oder sonstige Ereignisse (Überspringen von Genen von genmanipulierten Pflanzen) gefährdet werden könnten.

Platz für 4 Millionen Samenproben

Fein säuberlich sortiert und beschriftet, in speziellen versiegelten Boxen abgelegt, können die Samenkörner mehrere Jahrzehnte keimfähig bleiben.

Die bunkerähnliche Anlage auf der Insel Spitzbergen, Teil der nordatlantischen Inselgruppe Svalbard, reicht 120 m tief in eine ehemalige Kohlegrube hinein. Darin werden Samen von mehr als 4 Millionen Nutzpflanzen wie Reis, Mais, Bohnen und Kartoffeln lagern. Fast alle Nationen planen, Samenproben nach Spitzbergen zu schicken oder haben schon erste Proben abgeliefert. Die Lagerhallen liegen 120 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel und sollen auch bei einem drastischen Anstieg durch den Klimawandel unversehrt bleiben. Sie sind mit armiertem Beton und dicken Stahltüren versehen und würden somit auch einem Atomkrieg oder einem Flugzeugabsturz standhalten.

Lagerung im Permafrostboden

Tunnel.

Das Saatgut lagert bei kühlen -18 °C, die durch spezielle Kühlaggregate erzeugt werden. Dadurch können die Samen, je nach Art, zwischen ca. 55 Jahre und über 10.000 Jahren erhalten werden. Veraltete Samen werden ständig aufgefrischt. „Es ist ein sehr geschützter Ort, eine sehr ruhige Ecke der Welt. Außerdem herrscht hier Permafrost. Das bedeutet, selbst wenn technisch etwas schiefgehen sollte und das Kühlsystem einmal ausfällt, hätten wir hier nie eine höhere Temperatur als -3,5 °C“, sagt der Forscher Magnus Treiden. Die feierliche Eröffnung der 30 Millionen Euro teuren Saatgutbank fand am 26. Februar 2008 statt. Den Großteil der Summe stellte die Bill and Melinda Gates Foundation.

Aufwändige Logistik

Lagerraum.

Für den Einbau der 190 Tonnen Mischgut benötigte das 7-köpfige Team von Lemminkäinen trotz der erschwerten Bedingungen bei der Beschickung nur insgesamt 12 Stunden. Weitaus zeitintensiver war die Vorbereitung und Vorlaufzeit dieses Einsatzes. Eine beeindruckende Logistik steckte hinter dem Projekt, damit der Asphalteinbau auf Spitzbergen gelingen konnte. Auf der Insel, knapp 1.200 km vom europäischen Festland entfernt, gibt es keine Baumaschinen und Baustoffe und natürlich auch keine Mischanlage.

Es mussten also alle Geräte, Maschinen, Betriebsstoffe, Ersatz- und Verschleißteile sowie alle sonstigen Materialien vorab vom Festland angeliefert werden – per Schiff vom norwegischen Tromsø nach Spitzbergen. Eine Distanz, die moderne Frachter in 60 – 65 Stunden zurücklegen. Auf diesem Weg kam auch das Mischgut zur Baustelle. In speziellen Behältern wurde der Softasphalt über das Nordmeer transportiert. Deren Isolierung war so gut, dass der Asphalt, der die Mischanlage mit einer Temperatur von 130 °C verlassen hatte, bei der Ankunft in Spitzbergen immer noch zwischen 100 und 110 °C warm war. Vom Schiff wurde das Mischgut auf Lkw verladen und auf der Baustelle per Radlader zum Fertiger gebracht.

Insgesamt wurden rund 500 Tonnen Asphalt verschifft – weitaus mehr, als für den Bodenbelag im Svalbard Global Seed Vault benötigt wurde. Der übrige Teil des Asphalts wurde für den Straßenbau auf der Insel verwendet.

Nach 1.200 km Anreise per Schiff ist der Radfertiger SUPER 1803-2 auf eigener Achse vom Hafen bis zum Einsatzort gefahren und wartet nun auf die Freigabe zur Einfahrt in den Tunnel.

Baustellendaten
Herstellung des Bodenbelags im unterirdischen Zugangstunnel und in den Lagerhallen der Samenbank auf Spitzbergen
Länge des Zugangstunnels: 120 m
Fläche der 3 Lagerhallen: je 300 m²

Einbaudaten
Einbaubreite: 3 m
Einbaudicke: 4 cm
Einbaumenge: 190 t

Fläche
insgesamt 1.600 m²

Einbaumaterial
Softasphalt (MA 11)

Maschineneinsatz
SUPER 1803-2 mit der Einbaubohle AB 500-2 TV

EN DE