FGSV-Kolloquium // InLine Pave® – fest im deutschen Regelwerk verankert
Teil 2: Experteninterviews

Kompakte Asphaltbefestigungen haben Zukunft

Experten im Gespräch

Kompakte Asphaltbefestigungen zahlen sich aus für Planer, Betreiber, Baufirmen und Verkehrsteilnehmer. Darüber herrscht Einigkeit unter den Straßenbau-Experten. RoadNews sprach am Rande des FGSV-Kolloquiums mit vier Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Straßenbaus über die Möglichkeiten, die Vorteile und die Zukunft der Bauweise.

„Die wirtschaftliche Bauweise
mit mindestens 20 Jahren Nutzungszeit.“


Zur Person
Dipl.-Ing. Volker Schäfer,
Schäfer Consult,
Brake, Deutschland

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Asphaltbauweisen im Verkehrswegebau und Dozent beim Weiterbildungsstudium Asphalttechnik (ab 2013 an der TU München).

RoadNews: Herr Schäfer, Sie haben den Arbeitskreis »Kompakte Asphaltbefestigungen« geleitet. Seit wann beschäftigen Sie sich mit diesem Thema?

Schäfer: Seit Mitte der 1990er Jahre kreist die Idee in den Köpfen der Straßenbauer. Seit dieser Zeit habe auch ich mich mit dem Thema befasst. Im Jahre 2006 rief die FGSV einen eigenen Arbeitskreis ins Leben, den ich geleitet habe. Es war unsere Aufgabe, die Einbauweise zu definieren und die Integration in das deutsche Technische Regelwerk zu begleiten.

RoadNews: Dieser Arbeitskreis wurde Anfang 2012 geschlossen. Warum?

Schäfer: Aufgrund der guten Erfahrungen und der technischen Möglichkeiten hat die Bauweise Eingang in das deutsche Regelwerk gefunden und ist durchgängig beschrieben. Es liegen alle Werkzeuge vor, um Kompakte Asphaltbefestigungen auszuschreiben und abzurechnen. Unser Auftrag ist damit erfüllt. Jetzt liegt es an den Behörden und der Bauwirtschaft, dieses Verfahren auszuschreiben, anzubieten und entsprechend einzubauen.

RoadNews: Wozu braucht man Kompakte Asphaltbefestigungen?

Schäfer: Ganz einfach: Unsere Straßen werden immer stärker beansprucht. Da sind zum Beispiel die »Just in time«-Verkehre von Industrie und Handel, die für immer mehr Transporte sorgen. Der Straßenraum wächst nicht, gleichzeitig steigt aber die Auslastung der Fahrzeuge, und damit steigen auch die tatsächlichen Achslasten. Kurz: Unsere Straßen müssen immer häufiger immer schwerere Lasten aufnehmen.

Dabei steigt die Beanspruchung der Fahrbahnen mit den Achslasten überproportional, genauer mit der vierten Potenz. Ein Beispiel: Eine Überfahrt mit 10 t Achslast entspricht etwa 160.000 PKW-Achsen mit 0,5 t, eine Überfahrt mit 12 t Achslast entspricht der doppelten Beanspruchung, bei 13 t Achslast ist es die dreifache Last usw. Also brauchen wir Straßenaufbauten, die langfristig tragfähig sind. Kompakte Asphaltbefestigungen erfüllen genau diesen Zweck. Und sie haben eine Nutzungszeit von mindestens 20 Jahren.

RoadNews: Sind Kompakte Asphaltbefestigungen nur sinnvoll für hoch belastete Straßen?

Schäfer: Nein, ganz und gar nicht. Kompakte Asphaltbefestigungen eignen sich auch für gering belastete Straßen. Hier werden dann eben die Asphalttragschicht und die Asphaltdeckschicht kompakt hergestellt.

„Ressourcen schonen – Langzeithaltbarkeit verbessern.“


Zur Person
Dipl.-Ing. Rudi Bull-Wasser,
Leitender Regierungsdirektor bei der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen),
Bergisch Gladbach, Deutschland

Leiter des Referats Asphaltbauweisen in der BASt, seit über 20 Jahren aktiv in vielen nationalen und internationalen Arbeitskreisen zur Weiterentwicklung der Straßenbautechnik.

RoadNews: Herr Bull-Wasser, Sie betrachten als Vertreter der BASt das Thema der Kompakten Asphaltbefestigungen aus staatlicher Sicht. Welche Erwartungen hat der Bund an diese innovative Bauweise?

Bull-Wasser: Wir sorgen dafür, dass die Menschen in unserem Land eine optimale Infrastruktur für gewerbliche und private Zwecke vorfinden und nutzen können. Als »Besitzer« der Autobahnen haben wir darum ein Interesse an langlebigen Fahrbahnbelägen, die einen sicheren und störungsfreien Verkehr ermöglichen.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Schonung der Ressourcen. Das ist politisches Ziel in Deutschland. Mit den Kompakten Asphaltbefestigungen sind wir auf dem richtigen Weg, denn sie sind ressourcenschonend. Außerdem bieten sie wegen des optimalen Schichtenverbundes eine verbesserte Dauerhaltbarkeit und sind damit nachhaltig.

RoadNews: Wie hat Ihre Behörde dazu beigetragen, diese Technologie voranzutreiben und in das Regelwerk einzubinden?

Bull-Wasser: Bund und Länder haben diese Technologie konsequent gefördert, die BASt hat dafür in Zusammenarbeit mit den Ländern passende Teststrecken ausgewählt und dort den Einbau und die Entwicklung der Asphaltbeläge wissenschaftlich begleitet. Parallel haben wir in verschiedenen Gremien die formalen Randbedingungen geschaffen, um künftig mehr Straßen in dieser Bauweise zu bauen.

RoadNews: Was war dabei die größte Herausforderung?

Bull-Wasser: Als Behörde wollen wir Innovation fördern, können aber aufgrund knapper Kassen nicht jede Technologie beliebig unterstützen. In dieser Situation ist es essenziell, die viel versprechenden Ideen zu identifizieren und deren Entwicklung weiter zu verfolgen. Das ist die größte Herausforderung. Denn erkennt man die guten Ideen nicht, entgehen uns große Chancen.

RoadNews: Welche Rolle spielen die Maschinenhersteller bei der Entwicklung?

Bull-Wasser: Wir brauchen innovationsfreudige Unternehmen, die neue Technologien entwickeln und mit viel Eigeninitiative das Thema vorantreiben. Dazu gehören neben einem guten Technikteam mit Innovationswillen insbesondere Mut, Weitsicht und Ausdauer, um auch Durststrecken bei der Produktentwicklung zu überstehen. Hier hat VÖGELE als Hersteller viel zur Entwicklung der Bauweise beigetragen.

„Ich erwarte eine deutliche Verlängerung
der Haltbarkeit von Straßen.“


Zur Person
Dipl.-Ing. Rupert Schmerbeck,
Sachgebietsleiter Autobahndirektion Südbayern,
München, Deutschland

In der Abteilung für Zentrale Angelegenheiten verantwortlich für Oberbau, Erhaltungsmanagement, Straßendatenbank, Bau- und Geotechnik.

RoadNews: Herr Schmerbeck, Sie sind verantwortlich für den Betrieb der Autobahnen in Südbayern. Welche Erwartungen haben Sie an die Kompakten Asphaltbefestigungen?

Schmerbeck: Unsere Erwartungen sind sehr konkret. Da ist zum Beispiel die Einbauzeit. Sie kann mit dem Verfahren signifikant verkürzt werden. Das ist für uns als Verantwortliche für den Betrieb besonders wichtig, denn wir wollen jede Verkehrsbeeinträchtigung, die zum Stau führen kann, so gering wie möglich halten oder ganz vermeiden.

Des Weiteren haben wir große Erwartungen an die Standfestigkeit. Manche Prognosen sprechen von einer Verdopplung der Haltbarkeit – das ist noch nicht bewiesen, aber auch noch nicht widerlegt … und durchaus im Bereich des Möglichen.

Definitiv besser als beim konventionellen Einbau ist die Verzahnung der Schichten miteinander. Und wir wissen, dass durch die dickeren Pakete beim Einbau eine bessere Wärmeverteilung im Asphaltpaket besteht. Das Paket kühlt erheblich langsamer ab als separat hergestellte Schichten. Davon versprechen wir uns eine bessere Verdichtung und wiederum eine längere Lebensdauer.

RoadNews: Wie sind Ihre Erwartungen bezüglich der Erhaltungsmaßnahmen?

Schmerbeck: Insgesamt rechnen wir mit erheblich längeren Erhaltungsintervallen, einerseits wegen des Schichtenverbundes und andererseits wegen der guten Verdichtung. Darüber hinaus werden sich bei der Sanierung die Kosten in Grenzen halten, weil nur eine sehr dünne Deckschicht gefräst und neu eingebaut werden muss.

RoadNews: Für welche Arten von Baumaßnahmen eignet sich das Verfahren Ihrer Meinung nach?

Schmerbeck: Ich halte die Kompakten Asphaltbefestigungen für eine gute Lösung bei Neu- und Ausbaumaßnahmen sowie bei großen Deckenerneuerungen. Ich hoffe, demnächst mehr Projekte mit dieser Bauweise in Bayern zu haben. Wir werden den Baufirmen keine Steine in den Weg legen und begrüßen auch Nebenangebote.

„Effizient bauen, lange nutzen, wenig sanieren.“


Zur Person
Dipl.-Ing. Helmut Renze,
Geschäftsführer Technik
Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG,
Papenburg, Deutschland

Er hat den Bau von der Pike auf gelernt und ist seit seinem Studium in der Bauwirtschaft tätig.

RoadNews: Herr Renze, wo sehen Sie die Zukunft der Kompakten Asphaltbefestigungen?

Renze: Wir sehen den Durchbruch bei PPP-Projekten (PPP = Public Private Partnership). Die Bauweise ist durch die hohe Qualität der Fahrbahnen extrem wirtschaftlich, besonders auf lange Sicht. Leider spiegeln die aktuellen öffentlichen Ausschreibungen diese Erkenntnis noch nicht wider. Aber wir als Bauunternehmung vertrauen auf die Leistungsfähigkeit dieser Bauweise. Erstens, weil sie Straßen mit hoher Qualität hervorbringt. Zweitens ermöglicht sie eine deutliche Zeitersparnis von bis zu 50 % beim Einbau. Beides zusammen stellt einen erheblichen Gewinn für alle Projektpartner dar.

RoadNews: Ihr Unternehmen hat schon zahlreiche Kompakte Asphaltbefestigungen hergestellt. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Renze: Sehr gut. Wir begrüßen außerordentlich, dass diese Methode jetzt fest im deutschen Regelwerk verankert ist. Wichtig zu erwähnen: Alle Auftraggeber waren bis dato höchst zufrieden mit der Qualität des Asphaltbelages.

RoadNews: Sie schwören auf die Haltbarkeit. Warum?

Renze: Die hohe Verdichtung und der daraus resultierende geringere Hohlraumgehalt der fertigen Schicht bieten beste Voraussetzungen für eine hervorragende Alterungsbeständigkeit des Materials. Darüber hinaus werden die Schubkräfte über die Verzahnung der Deck- mit der Binderschicht optimal in die unteren Schichten weitergeleitet. Ein Punkt, der nach heutigem Wissensstand deutlich zur Langzeitstabilität des Fahrbahnaufbaus beiträgt. Dazu passt, dass auf den Strecken aus Kompakten Asphaltbefestigungen praktisch keine Spurrinnen entstehen, auch nach Jahren nicht. Das sorgt für hohe Wirtschaftlichkeit und mehr Verkehrssicherheit.

RoadNews: Gibt es noch weitere Vorteile für Sie als Asphalteinbauer?

Renze: Wir erleben eine Verlängerung der Einbausaison, denn wegen der Wärmekapazität der Kompakten Asphaltbefestigungen können wir in der Übergangszeit erheblich flexibler agieren als bisher. Das kommt den Behörden entgegen, deren Budgets oft erst im Laufe des Jahres fest stehen, so dass sich einige Projekte in die kälteren Monate verschieben.

RoadNews: Was sind wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Einbau?

Renze: Man sollte die Baulose nicht zu klein wählen. Für uns beginnt die Wirtschaftlichkeit bei 40.000 m². Außerdem empfehle ich, bei Sanierungen einen ebenen Untergrund durch 3D-Profilfräsen der Asphaltschichten zu schaffen.

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