FGSV-Kolloquium // InLine Pave® – fest im deutschen Regelwerk verankert
Teil 3: Kompakte Asphaltbefestigungen ausschreiben

Kompakte Asphaltbefestigungen ausschreiben:
So einfach geht’s

Viele Fachleute kennen mittlerweile die Vorteile der Kompakten Asphaltbefestigungen. Aber wie schreibt man eine Baumaßnahme mit dieser Bauweise richtig und vollständig aus? RoadNews hat die drängendsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Frage 1: Woran liegt es, dass Kompakte Asphaltbefestigungen noch nicht so oft ausgeschrieben werden?

Die Bauweise ist erst seit Kurzem im Regelwerk verankert, deshalb liegen noch nicht viele Erfahrungen vor hinsichtlich der richtigen Formulierungen, der Wahl der Baustoffe oder auch bezüglich der Vollständigkeit des Ausschreibungstextes.

Frage 2: Gibt es schon Muster-Ausschreibungstexte, an denen man sich orientieren kann?

Ja, es gibt bereits Beispiele für die Ausschreibung aller Arbeiten rund um die Bauweise. Der DAV (Deutscher Asphalt Verband, Bonn) hat entsprechende Texte erarbeitet. Sie lassen sich aus dem Standard-Leistungskatalog für Asphaltarbeiten einfach an die jeweiligen Projektanforderungen anpassen.

Diese Muster-Ausschreibungstexte für Kompakte Asphaltbefestigungen und vieles mehr findet man im Leitfaden »Ausschreiben von Asphaltarbeiten, Stand 2010« vom Deutschen Asphaltverband (www.asphalt.de). Eine überarbeitete Ausgabe mit den aktuellen Texten zu Kompakten Asphaltbefestigungen ist für Januar 2013 geplant.

Frage 3: Für welche Belastungsklassen (bisher: Bauklassen) liegen Mustertexte vor?

Es gibt Mustertexte (s. u.) für verschiedene Arten von Straßen.

Beispiel A zeigt ein Muster für hoch belastete Straßen der Belastungsklassen BK100 bis BK10 gemäß den RStO 12 (bisher: Bauklassen SV, I und II gemäß den RStO 01).

Beispiel B zeigt ein Muster für Stadtstraßen der Belastungsklasse BK3.2 gemäß den RStO 12 (bisher: Bauklasse III gemäß den RStO 01).

Die Unterschiede liegen insbesondere in der Schichtdicke und der Wahl der Gesteinskörnung.

Frage 4: Sind darüber hinaus noch weitere vertragliche Dinge zu beachten?

Ja, ein wichtiges Detail: Wenn man in Deutschland Kompakte Asphaltbefestigungen ausschreiben möchte, müssen die ZTV Asphalt-StB im Bauvertrag und in der Baubeschreibung rechtswirksam vereinbart sein.

Frage 5: Wie können Baufirmen Kompakte Asphaltbefestigungen anbieten, obwohl ein Projekt in konventioneller Bauweise ausgeschrieben ist?

Sie können ein Nebenangebot abgeben – darüber freuen sich viele ausschreibende Stellen. Für solche Nebenangebote können die Baufirmen auf die Textbausteine des DAV zurückgreifen (siehe Beispiele unten).

Frage 6: Wo erhält man weiterführende Hinweise zur Bauweise?

Viele hilfreiche Hinweise finden sich im »Merkblatt für den Bau Kompakter Asphaltbefestigungen (M KA), Ausgabe 2011« der deutschen Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Das Merkblatt kann man über die Website des FGSV-Verlages (www.fgsv-verlag.de) bestellen.

Frage 7: Kompakte Asphaltbefestigungen wurden vorrangig in Deutschland entwickelt und erprobt. Wie lässt sich die Bauweise in anderen Ländern realisieren?

Die Übertragung auf das Regelwerk anderer Staaten stellt kein grundsätzliches Problem dar. Für Länder mit ähnlichem Klima wie in Deutschland können die meisten Details übernommen werden, selbstverständlich unter Berücksichtigung der regional verfügbaren Baustoffe. In anderen Regionen ergeben sich aus den klimatischen Verhältnissen entsprechende bautechnische Anforderungen an Gestein und Bindemittel, die in den Ausschreibungstexten angepasst werden müssen.

Mustertexte für das Leistungsverzeichnis

Beispiel A für hoch belastete Straßen

Belastungsklassen BK100 bis BK10 gemäß den RStO 12 (bisher: Bauklassen SV, I und II gemäß den RStO 01)

1.1) ... m² Asphaltbinder aus AC 22 B S herstellen

  • Asphaltbinderschicht aus Asphaltbinder AC 22 B S herstellen
  • In Verkehrsflächen der Belastungsklasse BK100 (bisher: Bauklasse SV)
  • Einbaudicke = 10 cm
  • Bindemittel = 10/40-65 A
  • Grobe Gesteinskörnung = Kategorie C100/0
  • Untere Schicht einer Kompakten Asphaltbefestigung »heiß auf heiß«

1.2) ... m² Asphaltdeckschicht aus SMA 8 S herstellen

  • Asphaltdeckschicht aus Splittmastixasphalt SMA 8 S herstellen
  • In Verkehrsflächen der Belastungsklasse BK100 (bisher: Bauklasse SV)
  • Einbaudicke = 2 cm
  • Bindemittel = 25/55-55 A
  • Grobe Gesteinskörnung = Kategorie C100/0
  • Fremdfüller = Kalksteinfüller Kategorie CC70
  • Obere Schicht einer Kompakten Asphaltbefestigung »heiß auf heiß«

Der Deutsche Asphaltverband e.V. (www.asphalt.de) stellt in seinem Leitfaden »Ausschreiben von Asphaltarbeiten« viele Ausschreibungstexte bereit. Eine aktualisierte Ausgabe mit neuen Mustertexten zu Kompakten Asphaltbefestigungen erscheint im Januar 2013.

Beispiel B für Stadtstraßen

Belastungsklasse BK3.2 gemäß den RStO 12 (bisher: Bauklasse III gemäß den RStO 01)

2.1) ... m² Asphaltbinder aus AC 16 B S herstellen

  • Asphaltbinderschicht aus Asphaltbinder AC 16 B S herstellen
  • In Verkehrsflächen der Belastungsklasse BK3.2 (bisher: Bauklasse III)
  • Einbaudicke = 8 cm
  • Bindemittel = 25/55-55 A
  • Grobe Gesteinskörnung = Kategorie C100/0
  • Untere Schicht einer Kompakten Asphaltbefestigung »heiß auf heiß«

2.2) ... m² Asphaltdeckschicht aus SMA 8 S herstellen

  • Asphaltdeckschicht aus Splittmastixasphalt SMA 8 S herstellen
  • In Verkehrsflächen der Belastungsklasse BK3.2 (bisher: Bauklasse III)
  • Einbaudicke = 2 cm
  • Bindemittel = 25/55-55 A
  • Grobe Gesteinskörnung = Kategorie C 100/0
  • Fremdfüller = Kalksteinfüller Kategorie CC 70
  • Obere Schicht einer Kompakten Asphaltbefestigung »heiß auf heiß«
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